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Fokus 2026

Generationenwechsel im Hypothekarmarkt

Vom Produkt und Beratern zu Services und Lebensbegleitern

Steht der Schweizer Hypothekarmarkt vor einer strukturellen Verschiebung, die weit über konjunkturelle Zyklen hinausgeht? Die Hälfte aller Eigenheimbesitzer in der Schweiz ist heute über 60 Jahre alt¹. In den kommenden Jahrzehnten wird deshalb ein erheblicher Teil der Wohnimmobilien den Besitzer wechseln. Manche Beobachter könnten eine Verkaufswelle im Wohneigentumsmarkt erwarten. Laut Experten dürfte der Generationenwechsel jedoch vielmehr zu einer schrittweise steigenden Zahl an Eigentümerwechseln führen, ohne das Angebot grundlegend zu verändern¹ ². Fest steht, dass sich der Besitzerwechsel zunehmend über den Erbgang vollzieht. Zuletzt erreichte das Schenk- und Erbvolumen mit über 100 Milliarden Schweizer Franken neue Rekorde³. Damit rückt der Vermögenstransfer zwischen den Generationen zu einem zentralen Treiber im Immobilien- und Hypothekarmarkt. Was bedeutet dieser Generationenwechsel konkret für Nachfrage, Finanzierung und Beratung? Parallel dazu beginnt der Schweizer Hypothekarmarkt geografisch auseinanderzudriften. Bereits zehn Kantone stehen vor erheblichen demografischen Herausforderungen. Sinkende Geburtenraten und eine fortschreitende Alterung kompensieren zunehmend die Effekte der Zuwanderung. Rund ein Viertel des gesamten Hypothekarvolumens liegt in Regionen, in denen die Wohnraumnachfrage rückläufig ist und Immobilienpreise langfristig unter Druck geraten könnten⁴. Was im Wirtschaftsraum Zürich primär eine Finanzierungsfrage ist, wird in peripheren Regionen zunehmend zur Bewertungsfrage. Diese Divergenz erfordert regionale Risikokompetenz, differenzierte Belehnungspraxis und Berater, die diese Unterschiede verständlich in die Kundenberatung übersetzen können.

Gleichzeitig verschärfen sich die Rahmenbedingungen. Der Markt operiert in einem Umfeld, in dem Resilienz zur täglichen Praxis geworden ist. Ein Leitzins nahe null auf absehbare Zeit⁵, geopolitische Verwerfungen als zentraler Unsicherheitsfaktor⁶ und ein regulatorischer Rahmen, der sich von Basel III bis zu neuen SAQ-Vorgaben weiter verdichtet. Stresstests, Szenarioanalysen und flexible SARON-Strategien sind deshalb keine Kür mehr, sondern gehören ins Zentrum moderner Hypothekarberatung.

Generationenwechsel, demografischer Wandel, regionale Divergenz und ein volatiles Marktumfeld stellen Banken vor eine neue Komplexität. Finanzierung und damit das Hypothekargeschäft sind dabei nur ein Ausschnitt des gesamten Servicespektrums einer Bank. Das erfordert Berater, die über die Finanzierung hinaus auch Anlageservices und Zahlungsabwicklung ebenso sicher navigieren wie regionale Marktdynamiken. Ein Umdenken ist unumgänglich: weg von der Produktsicht hin zu einer ganzheitlichen, kundenbegleitenden Servicesicht – vom Berater zum Lebensbegleiter. Denn wer den Kunden ganzheitlich begleiten will, muss über die Hypothek hinausblicken. Die Bank muss sich nicht in einem, sondern in allen Servicebereichen wandeln. Und mit ihr der Berater, vom Produktverkäufer zum Lebensbegleiter, der die Kundeninteraktion über alle Lebensphasen und Servicebereiche hinweg gestaltet. Technologische Entwicklungen wie KI zur Unterstützung datenbasierter Entscheidungsprozesse schaffen dafür den Freiraum, den die wachsende Beratungskomplexität verlangt. Contextual Banking, Embedded Banking und Open Banking liefern den operativen Rahmen und setzen den Einbezug aller Servicebereiche und des Partnernetzwerks voraus.

Wird der Wandel von der Produkt- zur Servicesicht schnell genug vollzogen, um langfristig relevant zu bleiben? Das Hypoforum 2026 bringt diese Perspektiven zusammen. Basierend auf Fachvorträgen diskutieren Experten, Regulatoren und Innovatoren, wie der Hypothekarmarkt den Generationenwechsel aktiv gestalten kann und welches Beratungsmodell die Zukunft verlangt.